Archive for the ‘von der Liebe’ Category

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Herbstschrei

18. Oktober 2008

Sie geht den Weg am Wald entlang. Es bricht
Oktoberlicht durch ihre Schattenlider.
Und von den Bäumen steigt ein Wispern nieder,
das todgeweiht von alten Zeiten spricht.

Es war der Ton, die Art und Weise wie
allenHer log, als seien Worte nur ein Hallen,
um gleich aus jedem Horizont zu fallen;
und mit den wahren Worten fiel auch sie.

Ihr Blick, er senkt sich einen Atemschlag,
sie lächelt fast, auf eine Bruchstückweise;
er war doch früher anders, denkt sie leise
und ballt die Hand, die einst in seiner lag.

Kastanienlaub umwirbelt ihren Geist
und schimmert tausendfach in nackter Bräune.
Der Wind schlägt Haken um die Weidenzäune;
wie gerne wär sie mit ihm fortgereist.

Und als der erste Regen sie umspült,
spürt sie, wie ahnend sich ihr Brustkorb weitet;
dann schreit sie laut, bis sie zu Boden gleitet
und lacht, weil sie sich endlich besser fühlt.

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Stadtromanze

12. Dezember 2007

Gleich acht! Mein Kopf liegt schief am Badewannenrand;
es ist so still hier drin, du hast nicht angerufen.
Die Frau im Flur verflucht die hohen Kellerstufen;
ich denk an dich und zähl die Kacheln an der Wand.

Wir saßen am Hans-Albers-Platz vor einer Bar
und sprachen über Kant in der Entwicklungsfrage,
verpasste Träume und den Wein der letzten Tage,
der auch mit Schraubverschluss ein wenig korkig war.

Die Stadt um uns war ungefähr und doch vertraut,
dieselben Unbekannten kamen und verschwanden,
in dunklen Gräbernischen, die sie schlafend fanden;
wir waren flüchtig, Suchende in fremder Haut.

Du lächeltest, ich gab dir zaghaft einen Kuss;
von Sehnsucht, Liebe, war kein Sterbenswort zu hören;
(man hebt es auf um es am Ende zu beschwören).
Die Zeit verging, dir wurde kalt; dann kam dein Bus.

 

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Zuletzt

1. September 2007

Vielleicht bleibt nichts von uns zurück. Es scheint
als seien Fundamente weg gebrochen
und Worte unter falschem Stolz gesprochen,
wie Wut, die Gleichmut schreit und Sehnsucht meint.

Und es ist wahr, ich habe Angst. Die Spur
führt immer noch zu dir; und Bilder wischen
sich in den Staub; und Liebeslieder zwischen
gepackten Koffern; und dein Blick im Flur.

Die Tage spiegeln sich, im Neonlicht
pulsiert die Zeit – dann bricht sie im Durchschauen,
kippt jene Sicht und hinter müden Brauen
steigt etwas auf, das schon von Morgen spricht.

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Am Meer

16. April 2007

Wie sehr sie wünschte, dass es immer bliebe,
was sie zusammen brachte und versprach.
Sie wollte gar nicht viel, nur etwas Glück.

Doch fragst du mich: „Wie war es mit der Liebe?“
So will ich ehrlich sprechen: sie zerbrach,
denn er ging fort und ließ sie hier zurück.

So bleich gezeichnet kauert sie am Strand
auf ihren Schultern klaffen tiefe Wunden
verzweifelt klammert sie sich schon seit Stunden
an die Erinnerung, die sie hier fand.

Gebrochen steht sie auf, geht an den Rand
der See. Nur ihr fühlt sie sich jetzt verbunden.
Sie steigt ins Wasser; dann ist sie verschwunden;
die Brandung spült die Spuren aus dem Sand.

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Kind

7. April 2007

Und dann fiel uns der Himmel in den Rücken,
wie blanker Stahl, aus dem ein Ende sprach.
Die Welt, sie sank von eingestürzten Brücken,
an diesem Morgen, als dein Lachen brach.

Die Sonne schien verfrühter aufzugehen,
der Schulbus kam, – ein letzter Blick von dir -,
du ranntest und ich hab dir nachgesehen,
dann riss die Zeit, wie feuchtes Löschpapier.

Es ist so falsch, dein Ende zu beschreiben;
wer auch in diesem Akt die Feder führt,
er wird mir die Erklärung schuldig bleiben!
Sie sagten uns, du hättest nichts gespürt.

Der tiefe Schnitt verklebt sich unter Nähten,
die Sicht der Dinge ordnet sich mit mir;
in deinem Zimmer Bilder auf Tapeten
und Legosteine fragen still nach dir.

Ich seh dich jetzt und was wir immer waren,
ein Licht, das durch den Ascheregen fällt,
wie ein Verbundensein im Unlösbaren,
den Weg, und deine Hand, die meine hält.

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Manchmal denk ich noch an ihn

6. April 2007

Wir bauten ihn in die Ekstase,
den Kugelmann aus Eis und Schnee.
Mit Kohlenaugen, Möhrennase,
die Hauptfigur der Epopée.

Ich hab noch diesen alten Besen,
der fest an seiner Seite stand.
Als wär es gestern erst gewesen
beschleicht mich, wie er uns verband.

Ein Schiffchen schwimmt durch Entengrütze,
aus deinem Brief, der mich verwies;
und auch ein Kind platscht in der Pfütze,
die unser Freund noch hinterließ.

So lang schon seid ihr zwei verschwunden,
ja, du vielleicht inzwischen tot.
Nur jenen Mann, den einst so kugelrunden,
seh’ ich noch heut’ im Abendrot.

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Nach dem Streit

28. März 2007

Der neue Tag zerstäubt im ersten Augenblick,
und feucht verdichtet er den Bruchteil der Sekunde.
Ein kleiner Traum erlichtet sich zu blankem Glück,
sogleich die ganze Ewigkeit zur letzten Stunde.

Im Rausch des Stoßes bricht sich aller Zweifel Grund;
vereint nur noch ein einzig Schatten zwei Konturen.
Ekstatisch windet sich des Schoßes fester Bund,
wischt mühelos Fragmente fort von dunklen Spuren.

Das Auf und Ab von Harmonie und Leidenschaft
ist wie ein Kampf, in dem man sich verlieren will
und der finale Krampf entlässt, empfängt den Saft;
ein Blick, ein Atmen wird zum Schrei, dann wieder still.