Archive for the ‘vom Tod’ Category

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Nachtgeleit

23. März 2007

Noch liegt dein Atmen in den Kissen,
dein letztes Wort in meinem Sinn;
hallt unbarmherzig durch mein Wissen,
und fordert flehend Neubeginn.

Jetzt bin ich da; ich kann dich tragen,
dorthin, wo Ruhe dich befällt –
mich selbst in jene Tiefen wagen,
wo Liebe sich dem Teufel stellt.

Dein Bild, es flackert durch die Tränen,
und bricht in letztem Kerzenschein;
was bleibt mir noch herbei zu sehnen –
der Weg muss hier ein Ende sein.

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Sublustris

20. März 2007

Die Dämmerung zerwühlt und wölbt den Wolkenbrei;
im Wiesengrund schleicht grauer Dunst aus müden Auen,
flussabwärts, zieht vorbei an Segelbooten, Tauen,
und weicht und legt ein Bild im Schleiernebel frei.

Verwaschen kauert er im Schilf. Sein müder Blick
scheint sich im Sog der Zeitenbrüche zu verlieren.
Er zuckt zusammen, zittert, so, als würd er frieren,
und schaut sich suchend um, stampft taumelnd durch den Schlick,

als hätte er kein Ziel, nur etwas, dass ihn treibt.
Sein Brustkorb bebt und Blut tropft aus Blessuren;
im aufgewühlten Ufersand versickern Spuren
von Ungelöstem, das sich aus den Venen reibt.

Da platzt ein dunkles Tosen aus dem Flussverlauf
und etwas steigt mit stumpfer Kraft aus großen Tiefen,
erstickend laut, als ob ihn tausend Stimmen riefen,
und greift nach ihm und reißt ihm beide Schläfen auf.

Er steht am Bootshaus. Blutleer, starr ist sein Gesicht;
Zerbrochen klammert er die Zeichen aus den Fragen.
Dann schreit er plötzlich und sein Herz hört auf zu schlagen,
als er mit der Gewissheit tot zusammen bricht.

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In manchen Nächten

14. März 2007

Kennst du das, wenn alles ruht,
und du wach liegst in den Nächten,
weil aus tiefen Kellerschächten
etwas steigt zu dir ins Blut?

Wie ein Wort, das dich beschleicht,
und du kannst es kaum verstehen,
dieses Flüstern, wie ein Flehen,
dass kein Atem dir entweicht.

Angst zerfrisst dich, denn der Geist,
der dich einst an sich gebunden,
sucht und hat dich hier gefunden,
geifert, als er dich umkreist.

Es ist Zahltag, deine Zeit
ist verraten, totgeschlagen,
und man greift dir an den Kragen,
„gleich!“, denkst du, „es ist soweit.“

All die Lügen, all das Gift
pochen, puckern in den Venen,
reißt die Haut auf, Knochen, Sehnen,
wie ein Axtschlag, der dich trifft.

Zweifel haben dich entstellt.
Und aus Scharen von Dämonen
tritt, sich fürstlich zu belohnen,
jener Sohn der Unterwelt.

Hitze schneidet deinen Blick,
Blut spritzt aus den Augenbrauen,
gottverdammte Riesenklauen
brechen grinsend dein Genick!

Doch es tut nie lange weh!
Denn du hörst den Wecker läuten,
schälst dich aus den alten Häuten –
Aspirin schwimmt im Kaffee.

Kennst du das, wenn alles spricht,
und du kannst es nicht mehr hören,
dieses Lallen, Schreien, Schwören,
wo ein Wort ein andres bricht?

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Für die Verlassenen

1. Dezember 2006

Zitternd bohren sich die Klänge
letzter Worte Widerhall,
durch den Angstwall aller Zwänge,
tief in meinen freien Fall.

Greifen will ich diese Leere,
kann ich sie auch noch nicht fassen;
hier im Zentrum dieser Schwere
schaff ich’s nicht, dich loszulassen.

Doch ich geh sie, jene Wege,
die mich durch das Nichts geleiten;
und ich kämpf mich seltsam träge
durch des Raumes Schattenseiten.

Dann, wenn sich der Schmerz erbrochen
– aus dem Innern will ich’s schrei’n
wird mein Name neu gesprochen,
fang ich wieder an zu sein.

Einmal noch in alten Zeiten
möchte ich dich wieder seh’n;
und in Lächeltraumesweiten
lass ich dich für immer geh’n.

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Fremde

1. Dezember 2006

Da ist ein Sprung in deinem Lächeln,
der mich unglaublich irritiert.
Und jedes Streicheln meiner Seele
wirkt statisch, automatisiert.

Als wär’ auf unserm Bild, zerbrochen,
ein nicht mehr auswaschbarer Klecks.
All deine Gesten, abgesprochen,
sie treffen mich wie ein Reflex.

Sogar dein Blick scheint wie gemauert,
um die Pupille ohne Glanz.
Als hätt’st du schon am Grab getrauert,
führst du mich nun zum letzten Tanz.

Entfremdet sehe ich erschrocken
nur noch Konturen jener Schatten,
die kalt du hinwirfst, wie die Brocken
der fernen Zukunft, die wir hatten.

Lass mich jetzt los, bevor ich sterbe,
die Un-Gewohnheit bringt mich um.
Und bring ich dich auch um dein Erbe,
schrei ich doch lieber laut als stumm.

Schließ diese Tür und alle Fenster,
wenn du dann gehst, blick nicht zurück.
Nimm sie nur mit, die Nachtgespenster,
sie leiten dich ein letztes Stück.

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Auszeit

1. Dezember 2006

Das Dunkel bricht sich über uns
und fällt ins Nichts zurück.
Was bleibt, ist der Moment im Gestern
und die verrückten Möbel.
Wie wir uns in den Schnee gestürzt
und alles schwere ausgelacht.
Was war ist nur und gleich nicht mehr,
ein Umriss der Konturen.
Ich schrei den Weg
ins Gegenlicht –
geblendet seh’ ich besser