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Stadtromanze

12. Dezember 2007

Gleich acht! Mein Kopf liegt schief am Badewannenrand;
es ist so still hier drin, du hast nicht angerufen.
Die Frau im Flur verflucht die hohen Kellerstufen;
ich denk an dich und zähl die Kacheln an der Wand.

Wir saßen am Hans-Albers-Platz vor einer Bar
und sprachen über Kant in der Entwicklungsfrage,
verpasste Träume und den Wein der letzten Tage,
der auch mit Schraubverschluss ein wenig korkig war.

Die Stadt um uns war ungefähr und doch vertraut,
dieselben Unbekannten kamen und verschwanden,
in dunklen Gräbernischen, die sie schlafend fanden;
wir waren flüchtig, Suchende in fremder Haut.

Du lächeltest, ich gab dir zaghaft einen Kuss;
von Sehnsucht, Liebe, war kein Sterbenswort zu hören;
(man hebt es auf um es am Ende zu beschwören).
Die Zeit verging, dir wurde kalt; dann kam dein Bus.

 

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3 Kommentare

  1. Schön, sich zu verlieben. Noch schöner, es so in Worte hüllen zu können. Danke, Fabian, Du hast mir mal wieder den Tag erhellt. Liebe Grüsse.


  2. Danke dir.
    Ich will dich nicht enttäuschen, aber diese Gedicht ist alles andere als eine wirkliche Romanze. Eigentlich stellt es das Gegenteil dar. Es geht eher um die Einsamkeit und das „sich verloren fühlen“ in der Großstadt. Und um verpasste Chancen. Hoffe, ich habe dir damit jetzt nicht den Tag verdunkelt.
    Sei mir gegrüßt,
    Fabian


  3. Die verpassten Chancen… und dieser Gedanke, wenn man die Zeit zurück drehen könnte, was man anders gemacht hätte (ich finde, das ist fast untrennbar miteinander verbunden, denn sonst würde man sich keine Gedanken um das Verpasste machen)…

    Ich denke, Jeder hat Dinge, die er gerne anders gemacht hätte und derjenige, der die Zeitmaschine erfindet, muss sich um seine Existenz keine Sorgen mehr machen.
    So wie seine Kinder und Kindeskinder (wohl reichend bis 20 Generationen später)…

    Du hast wie immer atemberaubend geschrieben (auch wenn ich den Hans-Albers-Platz jetzt nicht sooo toll finde).
    Du hättest so viel verdient, für Dich, für Deine Schreibkunst.
    Hör damit nie auf, es ist deine Passion, Dein Geschick, Deine Kraft.
    Etwas so schön in Worte zu fassen, ist eine Gabe.

    Mach weiter so,
    ich liebe Dich

    PS: Warum bin ich nicht verlinkt? *schimpft* 😉



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