Archive for Dezember 2007

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Scriptum

15. Dezember 2007

Ich schrei im Halsumdrehen ein Gedicht,
in dem ich Wort um Wort für Wort verschwende,
und jedes Ungefühl darin beende;
doch bleibt es mir Bericht, verinnerlicht,

denn hilflos schweige ich ins Angesicht,
verrate mich, wenn ich mich von ihm wende,
als sei die Gegenwart gleich einer Blende,
in der selbst Urvertrauen jäh zerbricht.

So fall ich doch aus jedem Gleichgewicht,
und schriebe ich mich gänzlich nieder, fände
die Feder keinen Fluchtpunkt dieser Sicht,

denn ich bin Kür im Konterfei der Pflicht,
wo Löschpapier verbaler Flächenbrände
die wahre Liebe nur von fern bespricht.

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Stadtromanze

12. Dezember 2007

Gleich acht! Mein Kopf liegt schief am Badewannenrand;
es ist so still hier drin, du hast nicht angerufen.
Die Frau im Flur verflucht die hohen Kellerstufen;
ich denk an dich und zähl die Kacheln an der Wand.

Wir saßen am Hans-Albers-Platz vor einer Bar
und sprachen über Kant in der Entwicklungsfrage,
verpasste Träume und den Wein der letzten Tage,
der auch mit Schraubverschluss ein wenig korkig war.

Die Stadt um uns war ungefähr und doch vertraut,
dieselben Unbekannten kamen und verschwanden,
in dunklen Gräbernischen, die sie schlafend fanden;
wir waren flüchtig, Suchende in fremder Haut.

Du lächeltest, ich gab dir zaghaft einen Kuss;
von Sehnsucht, Liebe, war kein Sterbenswort zu hören;
(man hebt es auf um es am Ende zu beschwören).
Die Zeit verging, dir wurde kalt; dann kam dein Bus.