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Sublustris

20. März 2007

Die Dämmerung zerwühlt und wölbt den Wolkenbrei;
im Wiesengrund schleicht grauer Dunst aus müden Auen,
flussabwärts, zieht vorbei an Segelbooten, Tauen,
und weicht und legt ein Bild im Schleiernebel frei.

Verwaschen kauert er im Schilf. Sein müder Blick
scheint sich im Sog der Zeitenbrüche zu verlieren.
Er zuckt zusammen, zittert, so, als würd er frieren,
und schaut sich suchend um, stampft taumelnd durch den Schlick,

als hätte er kein Ziel, nur etwas, dass ihn treibt.
Sein Brustkorb bebt und Blut tropft aus Blessuren;
im aufgewühlten Ufersand versickern Spuren
von Ungelöstem, das sich aus den Venen reibt.

Da platzt ein dunkles Tosen aus dem Flussverlauf
und etwas steigt mit stumpfer Kraft aus großen Tiefen,
erstickend laut, als ob ihn tausend Stimmen riefen,
und greift nach ihm und reißt ihm beide Schläfen auf.

Er steht am Bootshaus. Blutleer, starr ist sein Gesicht;
Zerbrochen klammert er die Zeichen aus den Fragen.
Dann schreit er plötzlich und sein Herz hört auf zu schlagen,
als er mit der Gewissheit tot zusammen bricht.

12 Kommentare

  1. Tut mir leid, das wird geklaut!


  2. [...] 21st, 2007 · No Comments Dieses Gedicht hier hat mir gerade den Atem geraubt. Und wenn ihr schon mal auf Fabians Blog seid, lest gleich weiter, [...]


  3. Das erinnert mich ein wenig an Arthur Rimbauds „Le dormeur du val“. Grandios! Ich verbeuge mich.


  4. herrlich fabian. was für eine wucht deine komposition hat. bravo!


  5. @ Canela: Wucht ist ein treffendes Wort, auf das ich spontan nicht gekommen wäre…


  6. @Andre: Danke dir. Hab da ja schon was zu geschrieben auf deiner Seite. Freut mich sehr.

    @Dodo: das habe ich eben erst in der Übersetzung gelesen. Gefällt mir gut, obwohl das Original bestimmt noch besser ist. Hab Dank.

    @Canela: Danke. Freut mich, dass es dich erreicht hat. :)

    —–

    Ich war mir nicht sicher, ob das Ende klar und auch befriedigend ist, weil die Erkenntnis, und damit die Hintergründe der Ereignisse mit ihm sterben. Der Leser erfährt also nicht, warum das alles passiert und ich dachte zuerst, das es dadurch etwas an Durchschlagkraft verliert. Umso mehr freue ich mich über die Reaktionen. :)
    Gruß, Fabian


  7. @ Fabianprobst: Schon gefunden. Merci dafür. Hier, vielleicht gefällt Dir das: http://andreschneider.wordpress.com/2007/03/16/der-ertrinkende/

    An Kraft hat Dein Text nichts verloren, im Geigentiel…


  8. das ist gut. Ich weiß nämlich auch nicht, was genau dahinter steckt. Manchmal beginnt man, etwas zu schreiben und weiß nicht, wo es enden wird. Meistens gelingt die Auflösung dann aber doch. Hier war es mir nicht möglich, ich wusste nicht, was genau passiert war. Zuerst wollte ich das schon in die Tonne kloppen, weil ich einfach kein Ende fand, das eindeutig und glaubhaft war. Desegen entschied ich mich erst für das Sterben der Erkenntnis, zusammen mit dem Protagonisten. Bei keinVerlag kamen mittlerweil einige Ideen, worum es genau gehen könnte, was der Grund für all die Ereignisse ist. Ich bin wirklich beeindruckt davon. Nicht, dass ich meinen Text jetzt überbewerte, es geht nur um die verschiedenen Sichtweisen, die von verschiedenen Menschen kamen, weil ein offenes Ende das zulässt. Klasse! :)


  9. Ich bin nicht sicher, wer’s war… Graham Greene? Irgendwer sagte nämlich: „Es schreibt.“ Manche Schriftsteller (Musiker, Maler, Schauspieler etc.) sprechen ja auch von „Dämonen“, die herauskommen.

    Ich habe ganz oft das Gefühl, gar nicht 100%ig bei Bewusstsein zu sein. Ich sitze da, schreibe, nach sechs, sieben Stunden höre ich auf, lese mir das Geschriebene durch und weiss oft gar nicht, warum ich das geschrieben habe. Ganz beängstigend ist manchmal, dass ich mich zuweilen nicht einmal daran erinnere. Es entsteht also viel im Unterbewusstsein, aber ich denke, dass ist auch bei jedem anders. Ich kenne einen Schreiber, der fast mathematisch arbeitet, nach einer Liste, die er ausgearbeitet hat. Ich schreibe völlig intuitiv und weiss daher natürlich meistens auch nicht, wohin es mich bzw. den Text zieht.

    In die Tonne kloppen sollte man (erst einmal) nichts, denke ich. Vielleicht nicht immer sofort und umfangreich der Öffentlichkeit zugänglich machen, aber wegwerfen…? Manchmal liegt etwas, das man ganz scheusslich fand, jahrelang in einer Schublade, dann holt man’s heraus und ist verwundert, wie gut gelungen das eigentlich war. (Ging mir in der Silvesternacht so, als ich „zufällig“ Texte von 1999 fand, die ich eigentlich verrotten lassen wollte.)


  10. ja, es ist seltsam, wohin einen das Schreiben selbst manchmal bringt. Intuitiv ist es bei mir auch, aber schon allein der Reime wegen ein großes Stück reines Handwerk. Sonst passt es ja nicht. Trotzdem ist es komisch, was man manchmal am Ende geschrieben hat, weil es überhaupt nichts damit zu tun hat, was am Anfang für eine Idee hatte.
    In die Tonne hau ich sowieso so schnell nichts. Ich dachte nur, es würde nichts mehr werden, mit dem Ende. Aber das Gute ist ja, dass genau das zu einem noch besseren Ende geführt hat. Womit wir genau beim Thema wären. :)


  11. danke für diese wunderschönen zeilen..
    ich lese hier schon eine weile mit …
    und werde es auch weiterhin.

    liebe grüße käferchen


  12. Bedank dich nicht. Dafür schreibe ich doch, damit man es liest. :) Und ich freue mich über jeden einzelnen Leser. Besonders über Krabbeltierchen. :) Grüße zurück, Fabian



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