Archiv für März 2007

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Unreifeprüfung

30. März 2007

Da ist ein Punkt
im Werdegang
der aufgesetzten Zeit.
Ein Strich
durch alles Wesentliche;
das so erwachsen, starr
in die Vernunft gezüchtet,
dich rastlos
vorwärts drängt.

Und etwas
weiter unten,
da steht er fest, und tief
in dir verwurzelt;
der unvernünftige Moment,
der dich zu kitzeln liebt,
und dir
ein Milchzahnlächeln schenkt.

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Morgen (Urinstinkt)

30. März 2007

Ich blinzle mich um den Verstand,
umarm mein Bett, das mich versteht,
ein neuer Morgen starrt gespannt
und schlägt zur Faust geballte Hand
in mein Gesicht , dass schmerzverdreht,
mir alles auf den Wecker geht.

Der Uhrknall schleudert mich ans Licht,
mein Traum zerplatzt in schrillem Schrei,
doch – Tag! Du fängst mich heute nicht,
nimm dich alleine in die Pflicht
und mach’s dir selbst, dein Frühstücksei;
der späte Wurm bleibt vogelfrei.

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Anzug

29. März 2007

Dass  wir uns immer wieder mit den Menschen in die Wolle kriegen, die uns anziehen, liegt wohl daran, dass wir so gestrickt sind

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Perspektiven

29. März 2007

Wenn du ab und zu deinen Blickwinkel änderst, verbessern sich auch deine Perspektiven

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Nach dem Streit

28. März 2007

Der neue Tag zerstäubt im ersten Augenblick,
und feucht verdichtet er den Bruchteil der Sekunde.
Ein kleiner Traum erlichtet sich zu blankem Glück,
sogleich die ganze Ewigkeit zur letzten Stunde.

Im Rausch des Stoßes bricht sich aller Zweifel Grund;
vereint nur noch ein einzig Schatten zwei Konturen.
Ekstatisch windet sich des Schoßes fester Bund,
wischt mühelos Fragmente fort von dunklen Spuren.

Das Auf und Ab von Harmonie und Leidenschaft
ist wie ein Kampf, in dem man sich verlieren will
und der finale Krampf entlässt, empfängt den Saft;
ein Blick, ein Atmen wird zum Schrei, dann wieder still.

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Schlechtwetterliebe

26. März 2007

Ein Regenschirm war sehr allein,
die Sonne schien zum Fenster rein.
Ne kleine Wolke aber schlich
davor – der Schirm entspannte sich,
nahm einen Menschen an die Hand
und schwebte förmlich übers Land.
Die Wolke sah ihn an und weinte,
weil schlechtes Wetter sie vereinte.
Der Schirm war froh und vor Entzücken
lief ihm ein Schauer über’n Rücken.

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Nach dir

24. März 2007

Im Gehen nahmst du alles Licht aus warmen Tagen;
ein früher Frost traf meine Brust, und dunkle Trauer,
vereiste Lebensfluss und auch die Regenschauer,
in denen wir im Sommer nackt umschlungen lagen. 

Doch mit dem Winter wurden Spuren und die Fragen
vom Schnee bedeckt, er machte alles Schwarze grauer,
in meinen Träumen bald dein Bildnis ungenauer,
und half, mich durch die stille Kälte fort zu tragen.  

Erinnerungen blieben mir, sie zogen leise 
in der Erfahrung, die einst meine Mitte war,
bedächtig sicher nur noch kleine Schattenkreise.

Die Sonne nahm den Schnee hinfort, es wurde klar.
Mein Herz hielt stand, der Fluss brach auf, und unter’m Eise
da drang ein Rauschen zu mir rauf – war immer da.

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Nachtgeleit

23. März 2007

Noch liegt dein Atmen in den Kissen,
dein letztes Wort in meinem Sinn;
hallt unbarmherzig durch mein Wissen,
und fordert flehend Neubeginn.

Jetzt bin ich da; ich kann dich tragen,
dorthin, wo Ruhe dich befällt -
mich selbst in jene Tiefen wagen,
wo Liebe sich dem Teufel stellt.

Dein Bild, es flackert durch die Tränen,
und bricht in letztem Kerzenschein;
was bleibt mir noch herbei zu sehnen -
der Weg muss hier ein Ende sein.

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Sublustris

20. März 2007

Die Dämmerung zerwühlt und wölbt den Wolkenbrei;
im Wiesengrund schleicht grauer Dunst aus müden Auen,
flussabwärts, zieht vorbei an Segelbooten, Tauen,
und weicht und legt ein Bild im Schleiernebel frei.

Verwaschen kauert er im Schilf. Sein müder Blick
scheint sich im Sog der Zeitenbrüche zu verlieren.
Er zuckt zusammen, zittert, so, als würd er frieren,
und schaut sich suchend um, stampft taumelnd durch den Schlick,

als hätte er kein Ziel, nur etwas, dass ihn treibt.
Sein Brustkorb bebt und Blut tropft aus Blessuren;
im aufgewühlten Ufersand versickern Spuren
von Ungelöstem, das sich aus den Venen reibt.

Da platzt ein dunkles Tosen aus dem Flussverlauf
und etwas steigt mit stumpfer Kraft aus großen Tiefen,
erstickend laut, als ob ihn tausend Stimmen riefen,
und greift nach ihm und reißt ihm beide Schläfen auf.

Er steht am Bootshaus. Blutleer, starr ist sein Gesicht;
Zerbrochen klammert er die Zeichen aus den Fragen.
Dann schreit er plötzlich und sein Herz hört auf zu schlagen,
als er mit der Gewissheit tot zusammen bricht.

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Der Apfelbaum oder: Wind in den Taschen

18. März 2007

Ich habe noch sein altes Bild
in meiner Hosentasche;
das Bild des Apfelbaums.
Und manchmal spür ich noch
das Rauschen in den Wipfeln,
den Lufthauch, wie ein Flüstern
durch die Zweige,
das von den alten Sagen sprach.

Darunter wir, den Blick
aus Kinderaugen nur nach vorn,
und nur die Welt war unser Ziel.
Nicht, dass wir große Pläne hatten,
doch war da irgendein Gefühl;
wir spürten noch das hohe Gras,
ein Meer aus Blüten, Duft
und Sonne in den Ritzen.

Und zwischen unsern Fingerspitzen
die Früchte, die wir klauten;
den Tag uns zu versüßen.
Die Zukunft zu den blanken Füßen.
Wir kauten Stroh, und sogen Tage,
die Halme auf dem Feld geschnitten
oder einfach abgebrochen.
Das war uns doch genug.
Wir waren Räuber und Piraten.

Das Bild ist fast verblichen,
auch die Erinnerung fällt schwer.
Doch manchmal, durch vergilbte Sterne,
da seh’ ich, fern der Postmoderne,
Momentaufnahmen in der Nacht,
wenn ich die Augen schließe.
Dann ist es so, als sei da mehr.
Ein wohl vertrautes Rascheln, und
der Wind in meinen Taschen.